Roter Schimmel: Ursachen, Erkennung und Bekämpfung

Rötliche, rosa oder orangefarbene Flecken an einer Wand, in der Dusche oder auf anderen Oberflächen fallen schnell auf. Häufig werden solche Verfärbungen als roter Schimmel bezeichnet. Doch allein anhand der Farbe lässt sich nicht sicher bestimmen, um welchen Mikroorganismus oder welche Schimmelart es sich tatsächlich handelt.
Fest steht: Sichtbarer mikrobieller Bewuchs im Wohnraum sollte ernst genommen werden. Feuchtigkeit ist fast immer der entscheidende Faktor. Bleiben Wände, Fugen, Tapeten, Holz oder andere Materialien über längere Zeit feucht, entstehen Bedingungen, unter denen sich Schimmelpilze und teilweise auch Bakterien vermehren können.
In diesem Beitrag erfahren Sie, was roter Schimmel bedeutet, wie Sie rötliche Verfärbungen einordnen können, welche Ursachen dahinterstecken und wann eine professionelle Schimmelbekämpfung sinnvoll ist.

Was ist roter Schimmel?
Roter Schimmel ist zunächst eine Beschreibung des sichtbaren Erscheinungsbildes und keine eindeutige Bezeichnung für eine einzelne Schimmelpilzart.
Schimmelpilze können je nach Art, Wachstumsphase und Umgebungsbedingungen unterschiedliche Farben annehmen. Neben schwarzem, grünem und weissem Schimmel kommen auch rötliche, rosafarbene, orange oder rostbraune Verfärbungen vor. Die amerikanische Gesundheitsbehörde CDC weist ebenfalls darauf hin, dass es viele verschiedene Schimmelarten in unterschiedlichen Farben gibt und die Farbe allein keine Aussage darüber erlaubt, wie gefährlich ein Befall ist.
Ein roter Fleck bedeutet daher weder automatisch, dass eine bestimmte Schimmelpilzart vorliegt, noch lässt sich das gesundheitliche Risiko anhand der Farbe beurteilen. Dasselbe gilt übrigens für Begriffe wie Schwarzschimmel: Ein schwarzer Belag beweist beispielsweise nicht automatisch, dass es sich um Aspergillus niger oder eine andere bestimmte Art handelt.
Roter Schimmel oder Serratia marcescens?
Gerade im Badezimmer gibt es eine häufige Verwechslungsmöglichkeit. Ein rosa, orangefarbener oder rötlicher Belag in der Dusche, rund um den Abfluss, auf Silikonfugen oder am Waschbecken muss nicht zwingend Schimmel sein.
Das Bakterium Serratia marcescens kommt in feuchten Umgebungen vor und kann aufgrund seines Pigments eine rosa bis orange-rote Verfärbung bilden. Dabei kommt es vor allem in Duschecken und Waschbecken vor. Ein solcher Belag kann optisch leicht mit rotem Schimmel verwechselt werden.
Das bedeutet für die Praxis: Nicht jede rote oder rosa Verfärbung lässt sich allein anhand von Fotos oder ihrer Farbe zuverlässig identifizieren.
Ist unklar, womit Sie es zu tun haben, oder tritt der Befall trotz Reinigung immer wieder auf, kann eine professionelle Schimmelanalyse sinnvoll sein. Schimmelkönig untersucht dabei nicht nur den sichtbaren Befall, sondern berücksichtigt auch mögliche Feuchtigkeitsquellen und die Bedingungen im betroffenen Raum.

Ursachen für rot-orangenen Schimmel (Chrysonilia sitophila):
Unabhängig von der Farbe gilt für Schimmel im Wohnraum ein grundlegendes Prinzip: Ohne ausreichend Feuchtigkeit kann sich kein Schimmelwachstum entwickeln.
Schimmelsporen sind natürlicherweise in unserer Umwelt und auch in Innenräumen vorhanden. Erst wenn sie auf geeignete feuchte Oberflächen treffen, können sie dort wachsen. Auch das Umweltbundesamt bezeichnet überschüssige Feuchtigkeit entsprechend als wesentliche Ursache von Schimmelwachstum in Gebäuden.
Die Feuchtigkeit kann dabei auf verschiedene Weise entstehen.
Hohe Luftfeuchtigkeit und Kondensation
Beim Duschen, Kochen oder Trocknen von Wäsche gelangt innerhalb kurzer Zeit viel Wasserdampf in die Raumluft. Wird diese Feuchtigkeit nicht ausreichend nach aussen abgeführt, steigt die relative Luftfeuchtigkeit. Trifft die warme und feuchte Raumluft anschliessend auf kalte Oberflächen, kann sie dort abkühlen und Kondenswasser bilden.
Typische Problemstellen sind Aussenwände, Ecken, Fensterbereiche und Wärmebrücken. Gerade Badezimmer und Küchen sind deshalb anfällig: Hier treffen regelmässig hohe Feuchtigkeit, Wärme und geeignete Materialien aufeinander.
Bauliche Mängel und Wassereintritt
Nicht jeder Schimmelbefall lässt sich mit dem Lüftungsverhalten erklären. Undichte Fenster, Schäden an der Gebäudehülle, Rohrleitungen, frühere Wasserschäden oder andere bauliche Schwachstellen und Mängel können ebenfalls dazu führen, dass eine Wand dauerhaft feucht bleibt. Tritt der rote oder andersfarbige Schimmel trotz normaler Luftfeuchtigkeit und regelmässigem Lüften immer wieder an derselben Stelle auf, sollte deshalb die Ursache genauer untersucht werden.
Welche Materialien sind besonders anfällig?
Schimmel benötigt neben Feuchtigkeit auch geeignete Nährstoffe. Viele im Haus verwendete Materialien bieten dafür gute Bedingungen. Dazu gehören beispielsweise Tapeten, Holz, Papier, Gipskarton, Staubablagerungen und andere organische Bestandteile. Auch auf mineralischen Oberflächen kann Schimmel wachsen, wenn sich dort beispielsweise Staub oder andere Nährstoffe angesammelt haben.

Wie erkennt man roten Schimmel?
Roter Schimmel beziehungsweise ein rötlicher mikrobieller Befall kann sich als rosa, rötliche, orange oder rostfarbene Flecken und Verfärbungen zeigen. Die Oberfläche kann je nach Art des Bewuchses unterschiedlich aussehen. Möglich sind beispielsweise punktförmige Flecken, ein flächiger Belag oder eine leicht pudrige oder samtartige Struktur. Neben der sichtbaren Verfärbung kann ein muffiger oder modriger Geruch auf ein Feuchtigkeits- oder Schimmelproblem hinweisen.
Die Erkennung anhand der Farbe hat allerdings klare Grenzen. Selbst dieselbe Schimmelart kann sich hinsichtlich Farbe und Erscheinungsbild verändern. Besteht Zweifel, ob eine Stelle tatsächlich Schimmel ist, sollte also nicht aufgrund der Farbe allein entschieden werden.
Ist roter Schimmel gefährlich?
Die wichtigste Einordnung lautet: Roter Schimmel ist nicht allein aufgrund seiner Farbe gefährlicher oder harmloser als andere Schimmelarten. Das gesundheitliche Risiko hängt unter anderem von Art und Umfang des Befalls, der Dauer der Belastung und der individuellen Empfindlichkeit der Bewohner ab.
Allgemein können Schimmelpilze Allergene und reizende Bestandteile freisetzen. Dementsprechend weisen Menschen in feuchten, verschimmelten Wohnungen ein erhöhtes Risiko für Atemwegsbeschwerden und Atemwegsinfektionen auf. Mögliche Auswirkungen können dabei beispielsweise Reizungen von Augen, Haut oder Atemwegen sowie allergische Reaktionen sein.
Die Farbe liefert dagegen keine zuverlässige Aussage über diese Risiken. Denn diese bestimmt nicht, ob ein Befall mehr oder weniger gefährlich ist. Deswegen würde ich Aussagen wie «roter Schimmel ist weniger toxisch als schwarzer Schimmel» nicht pauschal treffen. Ebenso wenig sollte aus einem schwarzen Befall automatisch auf besonders «giftigen» Schwarzschimmel geschlossen werden.
Welche Personen sollten besonders vorsichtig sein?
Bei Personen mit Asthma, bestehenden Allergien, chronischen Atemwegserkrankungen oder einem geschwächten Immunsystem sollte ein Schimmelbefall besonders ernst genommen werden. Wer nach dem Aufenthalt in einem betroffenen Raum wiederholt Beschwerden bemerkt, sollte diese medizinisch abklären lassen. Gleichzeitig muss die Feuchtigkeit im Gebäude untersucht und der Schimmelbefall beseitigt werden. Die genaue Schimmelpilzart lässt sich aus möglichen Beschwerden ebenso wenig ableiten wie aus der Farbe des Befalls.
Roter Schimmel entfernen: Welche Lösung ist sinnvoll?
Bevor der sichtbare Schimmel entfernt wird, sollte möglichst geklärt werden, warum die betroffene Oberfläche feucht geworden ist. Andernfalls wird nur das Symptom behandelt.
Eine nachhaltige Lösung folgt deshalb grundsätzlich dieser Reihenfolge:
Befall erkennen
Feuchtigkeitsursache klären
Ursache beseitigen
Schimmel fachgerecht entfernen
Betroffene Materialien instand setzen
Erneuter Feuchtigkeit vorbeugen.
Das Umweltbundesamt nennt für einen kleinen, nur oberflächlichen Schimmelbefall unter etwa 0,25 m² die Möglichkeit einer Eigenbehandlung, sofern die Ursache bekannt ist und die betroffene Person nicht zu einer gesundheitlichen Risikogruppe gehört. Bei grösserem Befall oder unbekannter Ursache sollte eine Fachfirma hinzugezogen werden. Die Grenze von 0,25 m² sollte nach unserer Empfehlung aber nicht als starre Garantie verstanden werden. Tiefe des Befalls, betroffene Materialien, wiederkehrende Feuchtigkeit und weitere Schäden spielen ebenfalls eine Rolle.
Schutz beim Entfernen von Schimmel
Wer eine kleine Stelle selbst behandelt, sollte verhindern, dass Schimmelsporen unnötig verteilt oder eingeatmet werden. Hier empfiehlt es sich unter anderem Kunststoffhandschuhe, Atemschutz und eine geeignete Schutzbrille zu verwenden. Schwer zu reinigende Gegenstände sollten aus dem Arbeitsbereich entfernt oder abgedeckt werden.
Bei porösen Materialien kann eine oberflächliche Reinigung nicht ausreichen. Stark befallene Tapeten, Gipskarton oder andere tief durchsetzte Materialien müssen je nach Schaden entfernt werden.
Von einem beliebigen Hausmittel oder Schimmelentferner als alleiniger Lösung würde ich abraten. Auch Aceton ist keine sinnvolle Standardlösung für die Schimmelbekämpfung. Selbst chemische Desinfektionsmittel lösen die Feuchtigkeitsursache nicht. Zwar können Biozide Schimmel kurzfristig reduzieren, können jedoch Nachteile für Menschen, Umwelt und Materialien haben.
Wann braucht es eine professionelle Schimmelbekämpfung und Sanierung?
Eine professionelle Beurteilung ist insbesondere sinnvoll, wenn sich der Befall über eine grössere Fläche erstreckt, immer wieder zurückkehrt, mehrere Bereiche betroffen sind oder die Ursache der Feuchtigkeit unklar bleibt. Auch bei einer durchfeuchteten Wand, einem vorausgegangenen Wasserschaden oder sichtbaren Schäden an den Materialien sollte nicht nur oberflächlich gereinigt werden.
Eine professionelle Schimmelbekämpfung setzt deshalb nicht allein am sichtbaren Belag an. Schimmelkönig beschreibt Ursachenforschung und die Beseitigung der Feuchtigkeitsquelle als wesentliche Bestandteile einer nachhaltigen Behandlung.
Sind bereits Putz, Wand oder andere Bereiche beschädigt, kann anschliessend eine Schimmelsanierung notwendig sein. Je nach Fall werden dabei beschädigte Materialien entfernt oder instand gesetzt und Massnahmen gegen die erneute Schimmelbildung umgesetzt.

Feuchtigkeit reduzieren und roten Schimmel vorbeugen
Die wirksamste Vorbeugung setzt nicht bei der Farbe des Schimmels, sondern bei seinen Wachstumsbedingungen an. Die relative Luftfeuchtigkeit sollte regelmässig kontrolliert werden. Es empfiehlt sich deshalb, die Raumluftfeuchtigkeit möglichst im Bereich von 40 bis 60 Prozent zu halten. Ein einfaches Hygrometer hilft bei der Kontrolle.
Beim Duschen und Kochen entstehen kurzfristig grosse Mengen Feuchtigkeit. Diese sollten möglichst direkt nach aussen abgeführt werden. Im Bad empfiehlt es sich beispielsweise, nach dem Duschen das Fenster vollständig zu öffnen und Wasser von stark benetzten Flächen zu entfernen.
Auch richtiges Heizen und Lüften gehört zur Schimmelprävention. Dauerhaft gekippte Fenster sind während der Heizperiode weniger geeignet als kurzes Stosslüften, weil angrenzende Wandbereiche auskühlen können. In der kalten Jahreszeit sollte, je nach Bedingungen, mehrmals täglich kurz gelüftet werden bei vollständig geöffneten Fenstern.
Tritt trotz normaler Luftfeuchtigkeit, guter Lüftung und ausreichendem Heizen immer wieder Schimmel an derselben Stelle auf, sollte nach baulichen Ursachen wie Wärmebrücken, eindringendem Wasser oder anderen Mängeln gesucht werden.
Häufige Fragen zu rotem Schimmel
Hier beantworten wir die wichtigsten Fragen rund um roten Schimmel kurz und verständlich.
Ist roter Schimmel schädlich?
Roter Schimmel sollte nicht ignoriert werden. Schimmelpilze können Allergene und reizende Bestandteile freisetzen und unter anderem allergische Reaktionen sowie Beschwerden der Atemwege begünstigen. Wie gross das Risiko ist, lässt sich jedoch nicht anhand der roten Farbe bestimmen. Art und Umfang des Befalls sowie die gesundheitliche Situation der betroffenen Personen spielen eine wesentlich wichtigere Rolle.
Wann entsteht roter Schimmel?
Schimmel entsteht, wenn ausreichend Feuchtigkeit und geeignete Wachstumsbedingungen vorhanden sind. Ursachen können eine hohe Luftfeuchtigkeit, Kondenswasser an kalten Oberflächen, Wasserschäden, undichte Leitungen, Wärmebrücken oder eine unzureichende Lüftung sein. Besonders in Badezimmern und Küchen entstehen durch Duschen und Kochen regelmässig Feuchtespitzen. Werden diese nicht nach aussen abgeführt, steigt das Risiko für Schimmelbildung.
Was tun bei rotem Schimmel?
Zuerst sollte geklärt werden, woher die Feuchtigkeit stammt. Kleine, oberflächliche Flächen können unter bestimmten Voraussetzungen selbst behandelt werden. Schutzmassnahmen wie Handschuhe, Atemschutz und Schutzbrille sollten dabei berücksichtigt werden. Bei grösserem oder wiederkehrendem Befall, unbekannter Ursache oder feuchten Bauteilen sollte eine professionelle Beurteilung erfolgen. Entscheidend ist immer, nicht nur die roten Schimmelflecken, sondern auch die Feuchtigkeitsursache zu beseitigen.
Was bedeutet roter Schimmel?
Der Begriff «roter Schimmel» beschreibt zunächst einen rötlichen, rosa oder orangefarbenen mikrobiellen Belag. Daraus lässt sich jedoch keine bestimmte Schimmelpilzart ableiten. Die Farbe allein reicht nicht zur Identifikation. Gerade im Badezimmer kann ein rosa-orange-roter Belag beispielsweise auch durch Serratia marcescens entstehen. Dieses Bakterium wird aufgrund seiner Farbe gelegentlich mit Schimmel verwechselt.
Ist rosa Belag in der Dusche immer roter Schimmel?
Nein. Gerade in dauerhaft feuchten Bereichen wie Duschkabinen, Fugen oder Waschbecken kann eine rosa bis orange-rote Verfärbung durch das Bakterium Serratia marcescens verursacht werden. Aus diesem Grund sollte man bei der Erkennung nicht nur auf die Farbe schauen. Wiederkehrender oder unklarer Befall kann professionell beurteilt werden.
Kann man die Schimmelart an der Farbe erkennen?
Nein. Schimmelpilze können unterschiedliche Farben entwickeln, und selbst dieselbe Art kann ihr Erscheinungsbild verändern. Weder roter noch grüner, weisser oder schwarzer Schimmel lässt sich anhand der Farbe zuverlässig einer bestimmten Art zuordnen. Die Farbe kann bei der Beschreibung des Befalls hilfreich sein, ersetzt aber keine fachliche Bestimmung.



